Allgemeine
Technische Produktionformation
zum Thema:
Kondenswasserbildung in doppelverglasten Wohnwagenfenstern
aus Acrylglas (PMMA).
- Gelegentlich auftretendes Kondenswasser in Wohnwagenfenstern führt in der gesamten
Freizeitfahrzeugbranche häufig zu der irrigen Meinung, dass die Fensterscheibe undicht ist und
ausgetauscht werden müsse.
Bei allem Verständnis für Ihre durchaus berechtigten Bedenken, so ist in fast allen
Reklamationsfällen das beanstandete Wohnwagenfenster deshalb noch lange nicht fehlerhaft,
wenn sich gerade bei gewissen Witterungsbedingungen einmal Kondenswasser zwischen den
Scheiben bilden sollte.
- Keine Sorge: Mit der Zeit, insbesondere bei besseren Wetterbedingungen, verdunstet das
Wasser wieder spurlos von selbst.
- Warum bildet sich eigentlich Wasserdampf bzw. Kondenswasser im Caravanfenster?
- Wir Menschen leben sozusagen in zwei Klimate; eines drinnen und eines draußen. Bei einem doppelverglasten Fenster kann man jedoch von einem dritten Klima sprechen, nämlich dem
zwischen den Scheiben. Klimabestimmende Faktoren sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit,
mitunter auch der Wind. Fällt nun die Temperatur, so erhöht sich die relative Luftfeuchtigkeit.
Kühlt man warme, feuchte Luft ab, so schlägt sich die Feuchtigkeit als Kondenswasser auf kalten
Oberflächen nieder - zum Beispiel an den innen liegenden Fensterscheibenflächen.
Doppelscheiben für Caravanfenster werden aus hochwertigem Acryl-Kunststoff hergestellt die
miteinander unlösbar verklebt sind. Dazwischen ist eine Luftschicht, die als Isolator dient. Acryl ist
ein organisches Material und deshalb nicht diffusionsdicht.
- Das bedeutet, dass Feuchtigkeit
und/oder Gase in die Scheibe ein- und durchdringen können. Man kann davon ausgehen, dass
bei +14°C Lufttemperatur und 70% relativer Luftfeuchtigkeit 0,3 g Wasser in 24 Stunden durch
eine 3 mm dicke Acrylglasscheibe (Oberfläche 1 qm) diffundieren, bzw. hindurchgehen;
vorausgesetzt, dass auf der anderen Seite eine niedrigere Luftfeuchtigkeit vorherrscht. Die
Menge von 0,3 g erscheint im ersten Augenblick nicht groß. Wenn jedoch hierzu in Beziehung
gesetzt werden muss, dass 1 m¹ bei 20°C höchstens 17 g Wasser aufnehmen kann, bedeutet ein
Mehr von 0,3 g bezogen auf die verhältnismäßig geringe Luftmenge zwischen den Scheiben aber
doch sehr viel.
Vereinfacht und möglicherweise verständlicher ausgedrückt, ist die Ursache für die
Kondenswasserbildung durch die Tatsache zu erklären, dass Acrylglas - wie fast sämtliche
organischen Stoffe œ Wasser in molekularer Form aufnehmen kann. Geht man von einem
ursprünglich völlig wasserfreiem Fenster aus, so werden die Scheiben Wasser aus der Luft
zunächst an der Oberfläche absorbieren. Die Wassermoleküle dringen dann nach und nach
durch Diffusion in das Innere des Materials ein und gelangen schließlich auf die Innenseite der
Scheibe. Hier werden sie von der zwischen den Scheiben eingeschlossenen Luft aufgenommen.
Ist der Wasserdampfgehalt in der Umgebung des Fensters groß genug, so setzt sich dieser
Vorgang solange fort, bis die Luft im Fenster vollständig mit Feuchtigkeit gesättigt ist.
. . .
Da nun die Menge an Wasserdampf, die ein Luftvolumen aufnehmen kann, mit fallender
Temperatur abnimmt, kommt es beim Absinken der Temperatur zu einem Ausscheiden von
Wasser an den kältesten Stellen des Fensters, wo es in Form von kleinen Tröpfchen sichtbar
wird. Erwärmt sich die Scheibe dann wieder, so verdampft das Wasser erneut und ist scheinbar
verschwunden. Tatsächlich befindet es sich aber unsichtbar œ als Wasserdampf œ in der ebenfalls
erwärmten Luft zwischen den Scheiben. Wird die Luft in der Umgebung des Fensters sehr
trocken, so setzt der Diffusionsvorgang durch das Acrylglas in umgekehrter Richtung ein. Die
Feuchtigkeit verschwindet letztendlich dann wieder weitestgehend aus dem Fenster.
Tips und Tricks zur Vermeidung bzw. Reduzierung von Kondenswasserbildung:
Stetige Luftzirkulation ist immer noch das beste Mittel gegen das Auftreten von Kondenswasser
an den Innenseiten der Doppelscheiben. Zirkulierende Luft nimmt die Luftfeuchtigkeit auf,
insbesondere dann, wenn die kalte Luft erwärmt wird. Die Bildung und der Schwund kann leider
nur innerhalb gewisser Grenzen beeinflusst werden. Der einzige steuerbare Faktor ist dabei die
Innenraumtemperatur im Caravan durch die Heizung. Die äußeren Umweltfaktoren wie warm-
kalt, feucht-trocken, Sonne-Wolken, usw. werden dagegen jedoch von Menschenhand
unbeeinflussbar vorgegeben.
In extremen Fällen können die Plastikstopfen entfernt und die zwei Scheiben vorsichtig
zusammengepresst und wieder losgelassen werden. Dieser Pumpvorgang beschleunigt den
Luftaustausch zwischen den Scheiben über die offenen Entlüftungslöcher. Bei Scheiben ohne
Plastikstopfen kann ein Drehriegel entfernt und der Pumpvorgang durchgeführt werden.
- Zusätzliche Hinweise zur Reinigung und Pflege von
Acrylglasfensterscheiben: Acrylglas hat den allgemeinen Ruf
erworben, unzerbrechlich zu sein. Dies ist jedoch nicht der Fall
und nachfolgende Empfehlung sollte strikt beachtet werden.
Acrylglas darf keinesfalls in Kontakt mit aggressiven
Reinigungsmitteln kommen. In vielen kommerziellen
Reinigungsmitteln befinden sich Inhaltsstoffe, die Acrylglas
bereits bei der erstmaligen Anwendung angreifen und unwiderruflich
schädigen können. Selbst harmlos aussehende Mittel können sehr
gefährlich sein. Achten Sie beim Kauf von Reinigungsprodukten
unbedingt auf deren Eignung für Acrylglas.
- Ihr Caravan-Händler kennt diese häufig diskutierte Problematik
sehr gut und wird Sie dies betreffend sehr kompetent beraten
können. Wie eingangs schon erwähnt, es ist uns durchaus bewußt,
dass die physikalisch erklärbare, aber leider nicht gänzlich
vermeidbare optische Beeinträchtigung der Kondenswasserbildung zu
einer gewissen Verunsicherung führen kann.
Fendt-Caravan GmbH - Technische Kundenbetreuung - Stand: Mai 2005
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